Beurteilung der familiären Situation

Anamneseerhebung im sozialen Nahbereich

Im Rahmen der Anamneseerhebung sollten sich der behandelnde Arzt unbedingt auch ein Bild bezüglich des Vorkommens von Belastungsfaktoren im sozialen Umfeld des Kindes bzw. Jugendlichen machen.

Hierbei können Fragen zur Familiensituation helfen:

  • Wer gehört zur Familie?
  • Ist jemand weggegangen (Todesfall, Partnerverlust, Trennung) oder dazugekommen (Geschwisterkind, neuer Partner)?
  • Wen gibt es sonst noch an Angehörigen?
  • Wie geht es den Eltern, der Mutter?
  • Wie kommt die Mutter mit dem Kind (den Kindern) zurecht?
  • Gibt es Konflikte in der Familie (mit dem Kind, Partner, Alkohol, Schulden)?
  • Hat das Kind schulische Probleme?
  • Wie ist die Wohnsituation?
  • Gibt es Spielsachen für das Kind, hat es ein eigenes Bett?
  • Wie ist der Kontakt zu Angehörigen?
  • Gibt es Nachbarn, Freunde, Bekannte, an die man sich auch im Notfall wenden kann?
  • Wer hat die bisherigen Vorsorgeuntersuchungen gemacht?
  • Haben die Eltern oder das Kind Kontakt zum Jugendamt oder Beratungsstellen?

Familiäre Interaktion

Als weiteres diagnostisches Kriterium soll die Beobachtung der Interaktion zwischen Kind und Eltern beschrieben werden. Misshandlung kann als gewalttätiger Lösungsversuch und als Scheitern der Eltern-Kind-Beziehung verstanden werden. Ablehnung des Kindes durch die Eltern und problematische Eltern-Kind-Beziehungen können bereits in den ersten Lebensmonaten festgestellt werden (Engfer, 1990; Esser und Weinel, 1990).

Elterliche Ablehnung

Das Konstrukt elterlicher Ablehnung beschreibt eine rigide, von hohen unrealistischen Erwartungen an das Kind geprägte Erziehungshaltung. Die Art der elterlichen Zuwendung wird dem Kind nicht gerecht.